US-Whiskey

Es ist eben nicht alles nur BOURBON

 

(… lassen Sie uns mit diesem Vorurteil endlich aufräumen!)

Die Geschichte des amerikanischen Whiskeys rollen wir hier nicht wieder auf, das haben schon viele gemacht. Lassen Sie uns Ihnen diese Whiskey-Klasse stattdessen etwas näher bringen, Vorurteile aus dem Weg schaffen und Aktuelles anreißen. Am besten Sie nehmen sich ein Glas US-Whiskey – egal ob Rye, Bourbon oder eine andere Kreation –, lehnen sich zurück und lassen sich begeistern.

Obwohl amerikanische Whiskeys ein fester Bestandteil der Barkultur des späten 19. und folgenden 20. Jahrhunderts waren und auch heute hochangesehene Kandidaten für den puren Genuss der Whisk(e)y-Liebhaber sind, wird diese breite Whiskey-Klasse doch immer wieder auf „Bourbon“ reduziert. Das ist sehr schade!

Betrachtet man sowohl schottischen als auch irischen Whisk(e)y, so haben diese beiden Klassen zwar einige unterschiedliche Kategorien – wie zum Beispiel Single Grain oder Single Pot Still Whiskeys, Blended Scotch oder Single Malts – doch diese beiden Whisk(e)y-Klassen zusammen erreichen nicht die Vielfalt der Kategorien des US-Whiskeys. Der Ursprung hierfür liegt hauptsächlich in den unterschiedlichen Getreidesorten, die zur Herstellung der Destillate verwendet werden, in streng geschützten und deklarierten geografischen Vorgaben (zum Beispiel Tennessy Whiskey), im Alkoholgehalt und in der Dauer und Art der Reifung. Das sind aber nur grobe Zuordnungspunkte, welche letztendlich den Stamm bilden, aus dem diverse Zweige in unterschiedlichste Richtungen wachsen und somit die US-Whiskey-Klasse so vielseitig und facettenreich machen. Kreativität und Erfindergeist der US-Brennmeister sind unerschöpflich, ständig wagen sie sich an interessante Projekte und experimentieren, bis sie ein ganz individuelles Produkt erschaffen haben, welches sich trotz aller Extravaganz an Reglements in der Herstellung und Reifung hält. Haben Sie zum Beispiel schon einmal von einem Smoke(d) Whiskey aus den USA gehört?

Smoke(d) Whiskey

Smoke Whiskey->Corsair „Triple Smoke“ besteht aus drei Gerstenmalz-Anteilen, die auf drei verschiedene Arten geräuchert werden: mit Kirschholz, Torf, und Buchenholz. Süß und mit den Fassnoten eines amerikanischen Whiskeys, gleichzeitig reiche Raucharomen wie ein Single Malt. Riecht und schmeckt zuerst nach geröstetem Feigenbrot, Nüssen und Schokolade, dann kommen Toffee und Torf dazu. Im Abgang Mandelkrokant, Rauch und pfeffrige Gewürze.

Im Weiteren stellen wir Ihnen einen Auszug der am weitesten verbreiteten US-Whiskey-Kategorien vor und geben jeweils gleich eine Kostprobe.

Bourbon Whiskey

Journeyman WhiskeyEin amerikanischer Whiskey trägt die Bezeichnung „Bourbon“, wenn folgende Vorgaben erfüllt sind: Mindestens 51% seiner Getreide-Rezeptur (sog. „Mashbill“) muss aus Mais bestehen – den Rest kann jeder Hersteller individuell festlegen und somit seinen eigenen Bourbon produzieren. Des Weiteren muss das Destillat für mindestens zwei Jahre in frischen ausgebrannten (= getoasteten) Fässern aus amerikanischer Weißeiche reifen.

Ein klassischer amerikanischer Whiskey der ->Journeyman Distillery in Three Oaks aus vier unterschiedlichen Getreidesorten: Vor Ort angebauter Bio-Mais macht den Hauptanteil aus; eine Portion Weizen bringt sanfte Süße mit, Roggen leichte Würze und Gerstenmalz macht eine runde Sache daraus. Nach drei Jahren Reifung mit einem Alkohlgehalt von 45,0% Alc./Vol. abgefüllt. Typisches Vanille-Aroma, süßlich-cremig und gleichzeitig würzig und intensiv mit Noten von frischem Getreide, Popcorn, Vanille, Karamell, dezenter Zitrusfrucht, Tabak und etwas Holz.

 

Rye Whiskey

Bis zur Prohibition war Rye Whiskey der beliebteste Whiskey Nordamerikas – geschmacklich ist er würziger, trockener, etwas bitterer und markanter als Bourbon. Wie der Name schon sagt, muss bei dieser Kategorie die Getreide-Rezeptur aus mindestens 51% Roggen bestehen. Auch Rye Whiskey muss mindestens zwei Jahre in getoasteten amerikanischen Eichenholzfässern heranreifen.

Roundstone Rye 92 Proof WhiskyDer ->Roundstone Rye 92 Proof Whisky ist eine Mashbill aus 100% Roggen und mit 46,0% Alc./Vol der große Bruder des klassichen 40,0% Roundstone Rye. Süßlich, fruchtig und leicht würzig in der Nase; komplex, intensiv, holzig und gut ausbalanciert am Gaumen. Eiche, Bananen, gebrannten Nüsse, Gewürzen und Roggen eifern um die Wette. Abgang angenehm warm und langanhaltend. Catoctin Creek gibt es erst seit 2009, aber die Brennerei kann es bereits mit den Besten aufnehmen.

Straight Whiskey

Hierbei handelt es sich um eine Überkategorie, welche Bourbon, Rye, Tennessy und Corn Whiskey mit einschließt. Um als „straight“, also geradlinig bezeichnet zu werden, dürfen die Destillate aus nur einer einzigen Brennerei stammen und nicht mit Neutralalkohol verschnitten werden. Die Bezeichnung „straight“ ist also durchaus ein Willet WhiskeyQualitätsmerkmal und wird als solches hoch geschätzt.

Willet WhiskeyDieser ->Straight Bourbon von Willet im exklusiven Dekanter ist schon optisch außergewöhnlich und kommt auch im Geschmack fast opulent daher: Vanille, Kokosnuss, Crème Brûlée, Zedernholzspäne, Zimt und zarte Minztöne mit einem Hauch Fenchel lassen sich erahnen. In kleinen Batches in kupfernen Pot Stills destilliert, bietet er eine elegante Nase und ist ausgesprochen balanciert.

 

Corn Whiskey

Bei dieser speziellen Kategorie muss die Mashbill bei mindestens 80% Mais liegen und die Reifezeit entspricht der bei Bourbon und bei Rye – also Minimum zwei Jahre. Durch den sehr hohen Mais-Anteil ist das Aroma- und Geschmacksprofil der Corn Whiskeys charakteristisch süßlich und wird daher bei Genießern des puren Degustierens äußerst geschätzt.

Corn WhiskeyDer ->100 % Straight Corn Whiskey von Platte Valley ist einer der wenigen reinen Corn Whiskeys. Überschreitet mit 30 Monaten in Eichenholzfässern und Maische aus 100 % Mais deutlich die sonst üblichen Vorgaben und darf sich Straight Corn Whiskey nennen. Farblich sehr hell, fast wie Weißwein, und in der Nase fruchtig und fein-süß. Auch am Gaumen deutlich süß und wie für Corn Whiskey typisch angenehm ölig. Eher kurz im Nachklang, dafür leicht pfeffrig. Ein spannender Whiskey für Neugierige und im traditionellen Steinkrug eine Geschenkidee auch für Whiskey-Kenner.

 

Small Batch Bourbon

Eine „kleine“ Auswahl sorgsam ausgewählter Fässer, welche vom Master Blender der Brennerei miteinander gemischt und abgefüllt wird – ganz nach den Vorgaben die ein Bourbon erfüllen muss. Da es keine genaue Definition über das Wort „small“ gibt, ist dieser Begriff wohl hauptsächlich als Marketing-Instrument zu sehen – auch wenn diese Produkte sich geschmacklich durchaus von den Standard-Abfüllungen unterscheiden.Knob Creek Whiskey

Der ->Knob Creek Bourbon 9 Y ist benannt nach dem Fluss Knob Creek, der an der Brennerei vorbei fließt, und in dem Abraham Lincoln der Legende nach einmal fast ertrunken wäre. Geröstete Nüsse, Getreide und Eiche steigen in die Nase. Kräftiger, bernsteinfarbener Glanz im Glas und auch geschmacklich reichhaltig und unerschrocken mit holzigen, kernigen und süß-fruchtigen Noten, die beeindruckend lange nachhallen.

Single Barrel Bourbon

Der amerikanische Bruder des schottischen Single Cask Whiskys. Hergestellt nach allen Bourbon-Reglements wird dieses Produkt aus nur einem einzigen Fass abgefüllt und ist somit streng limitiert und immer leicht unterschiedlich in seinem Geschmacksprofil. Jedes Fass hat seine eigenen Aromen und jede Lagerung seine individuelle Verdunstung, aber die Hersteller sind bemüht die Unterschiede in Grenzen zu halten und einen Stil zu kreieren.

Cody road WhiskeyDie Mississippi River Distilling Company ist ein kleines Familienunternehmen, das mit dem ->Cody Road Single Barrel Bourbon Whiskey eine Hommage an den berühmten Bisonjäger und Showman Buffalo Bill Cody schuf, der um die Ecke der Brennerei geboren wurde. Für diese limitierte Sonder-Abfüllung reift der Bourbon aus Mais, Weizen und Gerste doppelt so lang wie üblich und in ungewöhnlich kleinen Fässern. Intensiver Duft nach Vanille, Karamell und Eichenholz steigt aus diesem Whiskey mit 52,5%Alc./Vol. Trinkstärke empor. Auch das Geschmacksprofil ist nachdrücklich, dezent alkoholisch, dank Mais angenehm süßlich und doch komplex. Im Abgang äußerst warm, intensiv und lang anhaltend.

Bonded Whiskey / Bottled in Bond

Wenn Sie diese Auszeichnung auf einem Etikett lesen, handelt es sich um einen amerikanischen Whiskey, welcher aus den Destillaten nur einer Brennerei hergestellt und in einem bestimmten Zeitraum produziert wurde. Darüber hinaus reifen diese Produkte in einem Lagerhaus unter Zollverschluss für mindestens vier Jahre und weisen einen Alkoholgehalt von mindestens 50,0% auf. Neben dem steuerlichen Effekt für den Hersteller ist die Bezeichnung natürlich auch ein gutes Marketing-Tool.

Tylor Single Barrel WhiskeyColonel Taylor gilt als einer der Gründungsväter der amerikanischen Bourbon-Industrie und als großer Verfechter des „Bottled-in-Bond Act“ von 1897. Er führte innovative Methoden wie die Klimakontrolle in den Reifungslagern ein, die noch heute bestehen. Dieser sehr delikate Single Barrel Bourbon E.H. Taylor Jr. Single Barrel Bourbon Whiskey – Bottled in Bond lagerte und reifte exklusiv in Taylors „Warehouse C“, erbaut im Jahr 1881. Er besticht mit leicht angerösteter Eiche, getrockneten Feigen und Karamell. Ein Schluck vereint Süße am Gaumen mit Noten von Tabak und dunkler Würze, die so lange anhalten, bis man für den nächsten Schluck bereit ist.


WISSENSWERTES:

Die Mindestdauer von zwei Jahren Lagerung der Destillate gilt nur in den USA – um in Europa als Whisk(e)y deklariert zu werden, muss die Reifung mindestens drei Jahre betragen! Da es in den USA keine Pflicht gibt, Altersangaben auf die Flasche zu drucken, und es bis dato auch kein Qualitätsmerkmal war, verzichten viele Hersteller gerne darauf.

In Europa ticken die Genießer jedoch oftmals anders und ein höheres Alter spielt eine ausschlaggebende Rolle für die Kaufentscheidung. Seit kurzer Zeit und aufgrund der immer stärkeren Präsenz der amerikanischen Whiskeys bei uns entdeckt man daher stetig mehr Produkte aus den USA mit klaren Angaben über ihre Reifezeit. Jeder Markt ist eben anders und man muss genau analysieren und lernen sich anzupassen – als Destillateur und auch als Whisk(e)y-Trinker.

Erweitern Sie Ihren Horizont! Öffnen Sie sich neuen Geschmackswelten! Es ist doch schade, wenn man sich der facettenreichen Welt der Spirituosen verschließt und immer nur bei einer Sache bleibt, wenn es doch so viel und so Verschiedenes zu entdecken gibt.

->Hier geht’s zu unseren US-Whiskeys

 

Autor: Christoph Knorr | HAROMEX Development GmbH

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