Koch, Autor & Foodstylist Stevan Paul im Interview

1. Was macht Ihnen am Kochen so große Freude, Herr Paul?

„Kochen hat erst einmal etwas sehr meditatives, konzentriertes, ich schätze es sehr in Ruhe in der Küche zu werkeln. Ich habe zudem große Freude daran, immer neue Geschmackskombinationen auszuprobieren, mich selbst zu überraschen und die Menschen an meinem Tisch ein kleines bisschen glücklicher zu machen.“

2. Kochen Sie nach Rezepten?

„Bei meiner Arbeit als Rezeptautor arbeite ich Gramm-genau und gelingsicher mit Waage und Messbecher. Privat koche ich nach Augenmaß und Handgewicht. Aber auch als gelernter Koch sind mir Kochbücher die größte Inspirationsquelle.“

3. Muss es immer Fleisch sein?

„Privat koche ich mittlerweile überwiegend vegetarisch – gerade weil ich so gerne Fleisch esse. Ich möchte Fleisch nicht mehr als tägliches Sättigungsmittel missbrauchen, sondern es mir hin und wieder als besonderen Hochgenuss gönnen, der dann natürlich bester Qualität und Herkunft ist und seinen Preis haben darf. Ein ganzes Huhn oder ein Kilo Schweinenacken für zwei Euro, Wurst für ein paar Cent und alles am besten dreimal täglich, das ist doch Wahnsinn! Es muss ein Ende haben mit dem Quäl-Fleisch aus Massentierhaltung.“


4. Welche Produkte verwenden Sie beim Kochen und wo beziehen Sie diese?

„Im Alltag kaufe auch ich im Supermarkt ein, oft schaff ich’s nicht mal auf den Wochemarkt. Mein Gemüse beziehe ich aber überwiegend vom Gemüsehändler an der Ecke, Fleisch und Fisch kommen immer aus der Metzgerei und vom Fischhändler meines Vertrauens. Ich achte grundsätzlich darauf möglichst regional einzukaufen, wenn es die Zeit zulässt machen wir auch mal eine Landpartie zu Hofläden in der Nähe, das ist als Wochenendausflug sehr zu empfehlen!“

5. Welche frischen Basics dürfen in Ihrer Küche nicht fehlen?

„Zwiebeln und Knoblauch. Immer ein guter Anfang!“

6. Wie wichtig ist das Thema Kochen in Ihrem Leben?

„Ich koche gerne und täglich, meistens schnelle, alltagstaugliche Sachen. Für Gäste mache ich auch sehr gerne mal die ganz große Welle, meine Frau fragt immer, ob wir nicht auch einfach mal Freunde „nur so auf eine Nudel“ einladen könnten. Kochen ist mir Beruf und Freizeitvergnügen gleichermaßen, ich bin sehr dankbar dafür.“

7. Ihr Plädoyer bitte!

„Esst wieder zusammen am Tisch, kocht gemeinsam, wenn es die Zeit zulässt, redet über Essen, seid neugierig. Gerade für Kinder ist das Wissen um Genuss und Ernährung wichtigstes Rüstzeug fürs Leben: unsere Ernährung beeinflusst unsere Gesundheit und damit auch alles andere. Die Fähigkeit zum Genuss erleichtert Kommunikation, fördert Gemeinschaftlichkeit und ein soziales Miteinander. Und am Ende eines langen, harten Tages ist nichts tröstlicher, als die Fähigkeit sich ein Abendessen kochen zu können.“

Über Stevan Paul:

1969 geboren, startete er 1988 sein kulinarische Laufbahn und erlernte den Kochberuf bei Albert Bouley im Restaurant Waldhorn, Ravensburg. In den Jahren von 1990 bis 1995 kochte Stevan Paul in führenden Häusern der deutschen Gastronomie, bei Franz Raneburger im Bamberger Reiter, Berlin und bei Peter Müller im Hugenotten, Hotel Intercontinental Berlin.

Seit 1995 arbeitet er als Foodstylist. Von 1995 bis 2000 in Festanstellung mit Redakteursvertrag, für die Redaktionen „schöner essen“, „essen & trinken“, „Viva!“ und „Living at home“ im Grune & Jahr Verlag in Hamburg. Seit Januar 2000 ist er als freier Foodstylist, Autor und kulinarischer Kolumnist für Printmedien, Buchverlage und Werbeagenturen tätig.

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