Der graue Star

Vor 20 Jahren ging beim Grauburgunder regelrecht die Post ab. Damals traf diese Rebsorte mit ihrer milden Frucht, den verlockenden Birnenaromen und der ausgewogenen Fruchtsäure genau den Nerv der Zeit. Aus Norditalien eroberte er als Pinot Grigio die Herzen im Sturm. Inzwischen stehen die deutschen Winzer nicht nach und die Fangemeinde der am dritthäufigsten angebauten Weißweinsorte Deutschlands wächst kontinuierlich.

Baden, die Pfalz und Rheinhessen sind die wichtigsten Anbaugebiete, in denen die Trauben des Grauburgunders auf warmen Standorten mehr Süße bilden, aus denen später kraftvolle Weine entstehen. Entscheiden sich die Winzer zudem, ihren Grauburgunder im kleinen Fass aus neuem Eichenholz zu lagern, wird daraus ein voluminöser Typ, der auch exzellent reifen kann. Dann entwickeln sich typische Röstnoten und Aromen, die an frisch gebackenes Roggenbrot oder reife Äpfel erinnern.

Zu Gast bei Theresa Breuer

Theresa BreuerAuf der Suche nach spannenden Vertretern dieser Art ist Gourmondo Weinexperte Sigurd Gabriel auch bei der Rheingauer Winzerin Theresa Breuer fündig geworden. Spektakulär ist dort allein schon die Lage der Weinberge über dem Rheintal, auf denen die Grauburgunder-Rebstöcke bei Theresa Breuer wachsen dürfen. Die Lagen gehören zu den höchstgelegenen im Rheingau – perfekt für frische Weine.
Eigentlich ist das Weingut Breuer international für seine Rieslinge bekannt und so war es ein Zufall, dass die Breuers zum Grauburgunder gelangten:

„Das war für uns beim ersten Jahrgang 1990 zunächst ein Versuch, denn wir hatten nur eine vage Vorstellung davon, was man mit Grauem Burgunder im Rheingau erreichen kann. Umso glücklicher sind wir seitdem mit dem Ergebnis.“

Den fruchtigen Wein mit seiner animierenden Säure wissen auch die Kunden von Theresa Breuer zu schätzen: „Der Wein ist für unser Angebot die ideale Ergänzung“, sagt die Winzerin, die das Weingut seit 2007 führt. Ihre Grauburgunder sind wahrlich besonders, wie die Rüdesheimerin weiß: „Der Grauburgunder darf nicht fett werden, das ist mir sehr wichtig. Wenn die Trauben so viel Zucker bilden, dass sie in Richtung von 13 Prozent Alkohol marschieren, dann werde ich nervös. Er braucht eine Filigranität in der Struktur und im Finale. Ich bin ein echter Säure-Nerd!“ sagt sie und lacht. Dabei hat Theresa Breuer eine ganz klare Idee von der Einsatzfähigkeit des Weins: „Er soll als Essensbegleiter die Lücken schließen, wenn es um die Kombination von Wein und Speisen geht.“

Theresa Breuer bezieht mit ihrer Interpretation eine ganz eigene stilistische Position, die sich deutlich von den süddeutschen Vertretern absetzt: „Wir müssen mit unserem Grauburgunder keiner Erwartungsnorm entsprechen. Diese Freiheit nutzen wir.“ Ihre 2008er, 2010er und 2011er stammen von 60 Jahre alten Rebstöcken und reiften über ein Jahr in neuen und gebrauchten Eichenholzfässern.

Aber das ist nur ein Mittel zum Zweck, wie Theresa Breuer betont: „Der wichtigste Unterschied ist, dass die Sorte bei uns auf dunklem Schiefer wächst und der Wein entsprechend geprägt wird. Genau die Feinheit soll man am Ende auch deutlich herausschmecken.“ Auf diese Weise entstehen bei ihr großartige, individuelle Weine mit intensiver Strahlkraft.

Zusammen mit Theresa Breuer haben wir übrigens eine Winzeredition only gourmondo kreiert. Grauburgunder ist natürlich auch dabei!

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